Antisemitismusvorbeugung vor dem Hintergrund der Geschichte der SchUM-Städte
Die Verfolgungen der jüdischen Gemeinden in den SchUM-Städten Speyer, Worms und Mainz im Jahre 1096 waren eine Urkatastrophe des europäischen Judentums. In dem Roman „Tod oder Taufe – Die Kreuzfahrer am Rhein“ von Jakob Matthiessen werden die Sicht der verschiedenen Akteure dargestellt und die religiösen Konflikte zwischen den unterschiedlichen Parteien ausgeleuchtet.
Aufbauend auf Szenen des Romans entwickeln wir pädagogisches Material, welches deutlich macht, wie auf dem Boden christlicher Theologie antijüdische Vorurteile gewachsen sind und zu Judenhass geführt haben. Dadurch wird ein reflektierter Umgang mit christlichen Texten gefördert und der Reproduzierung antijüdischer Stereotypen im Religionsunterricht entgegengewirkt.“
Das Material wird auf der Plattform rpi-virtuell und in einem Lehrbuch zur Verfügung gestellt. So leistet das Projekt Aufklärung über das Judentum in Deutschland und hilft, Antisemitismus vorzubeugen.
Projektstart am 1. Januar 2024

Alter Jüdischer Friedhof Mainz: © Carsten Costard und Stadt Mainz

Judenhof in Speyer © Klaus Venus und Stadt Speyer

Mittelalterliche Synagoge in Worms © Kati Nowicki und Tourist Information Worms
Fortbildung Antisemitismus und SCHUM
Online-Termin: 08.09.2025
Präsenzveranstaltung: 06.11.2025
Links zur Anmeldung für die beiden Fortbildungs-angebote (E‑Session und Präsenzfortbildung):
- Antijüdische Vorurteile vom Mittelalter bis heute – E‑Session
- Antijüdische Vorurteile vom Mittelalter bis heute — Präsenz
Mo, 08.09.2025, 15–17 Uhr
Antijüdische Vorurteile vom Mittelalter bis heute — E‑Session
Wie auf dem Boden christlicher Theologie Judenhass gesät wurde. Eine fächerübergreifende Fortbildung.
Diese E‑Session ist verbunden mit der Präsenzfortbildung “Antijüdische Vorurteile vom Mittelalter bis heute” am 06.11.2025 in Bad Kreuznach (PL-Nr. 2514438000). Sie möchte erste Einblicke in den zugrunde liegenden Roman “Tod oder Taufe – Die Kreuzfahrer am Rhein” von Jakob Matthiessen ermöglichen und gemeinsam mit den Teilnehmenden die vielfältigen Gesichtspunkte eruieren, unter denen der Roman im Unterricht besprochen werden kann (Analyse historischer Argumentationen / Einzelschicksale im Vergleich / Regionale Geschichte als Lernquelle / Propaganda und Realität / Demokratie und Rechtsstaatlichkeit / Empathie entwickeln etc.). In der Präsenzfortbildung im November soll dann noch einmal ausführlicher auf verschiedene Schwerpunkte eingegangen werden.
“Tod oder Taufe – Die Kreuzfahrer am Rhein” greift die Verfolgung der jüdischen Gemeinden in den SchUM-Städten Speyer, Worms und Mainz im Jahre 1096 auf und macht die Grauen und die für das jüdisch-christliche Verhältnis so prägenden Ereignisse anhand von Einzelschicksalen für den/die Leser*in erfahrbar. Ebenso werden die theologische Begründung der Verfolgung auf Seiten der Kreuzfahrer und die Reaktionen in den unterschiedlichen christlichen und jüdischen Fraktionen darauf aufgegriffen.
Wenngleich der Roman als Klassenlektüre zu umfangreich ist, so sind doch einzelne Szenen geeignet, Einblicke in antisemitisches Denken, konkrete Entscheidungen einzelner Menschen und gesellschaftliche Entwicklungen exemplarisch aufzuzeigen. Die Verknüpfung zu Rheinland-Pfalz bietet der regionale Bezug. “Jerusalem am Rhein”- so werden die SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz auch genannt. Erst kürzlich erfolgte die Anerkennung als UNESCO-Welterbe.
Insgesamt verfolgt die Fortbildung (E‑Session + Präsenz) das Ziel, den primären Antisemitismus im Mittelalter darzustellen, um die Motive der Gegenwart wiederzuerkennen und entsprechend vorzubeugen. Bilder des Mittelalters stehen neben Bildern des Nationalsozialismus und des aktuellen Konflikts in Gaza.
Do, 06.11.2025, 9–16 Uhr, Bad Kreuznach
Antijüdische Vorurteile vom Mittelalter bis heute — Präsenz
Wie auf dem Boden christlicher Theologie Judenhass gesät wurde. Eine fächerübergreifende Fortbildung.
Ausgangspunkt dieser Präsenz-Fortbildung in Bad Kreuznach ist der Roman “Tod oder Taufe – Die Kreuzfahrer am Rhein” von Jakob Matthiessen. Dieser greift die Verfolgungen der jüdischen Gemeinden in den SchUM-Städten Speyer, Worms und Mainz im Jahre 1096 auf und macht die Grauen und die für das jüdisch-christliche Verhältnis so prägenden Ereignisse anhand von Einzelschicksalen für den Leser erfahrbar. Ebenso werden die theologische Begründung der Verfolgung auf Seiten der Kreuzfahrer und die Reaktionen in den unterschiedlichen christlichen und jüdischen Fraktionen darauf aufgegriffen.
Wenngleich der Roman als Klassenlektüre zu umfangreich ist, so sind doch einzelne Szenen geeignet, Einblicke in antisemitisches Denken, konkrete Entscheidungen einzelner Menschen und gesellschaftliche Entwicklungen exemplarisch aufzuzeigen. Die Verknüpfung zu Rheinland-Pfalz bietet der regionale Bezug. “Jerusalem am Rhein”- so werden die SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz auch genannt. Erst kürzlich erfolgte die Anerkennung als UNESCO-Welterbe. Die Fortbildung verfolgt das Ziel, den primären Antisemitismus im Mittelalter darzustellen, um die Motive der Gegenwart wiederzuerkennen und entsprechend vorzubeugen. Bilder des Mittelalters stehen neben Bildern des Nationalsozialismus und des aktuellen Konflikts in Gaza. Dem Referententeam ist es wichtig, sich in einem geschützten Raum miteinander über Möglichkeiten der Einbindung in den Unterricht auszutauschen. Mögliche Fragestellungen können sein:
- Wie wurden im Mittelalter antisemitische Argumente theologisch begründet und wie können wir diese Argumentationsmuster in heutigen nationalistischen und rechten Diskursen erkennen und entkräften?
- Welche Parallelen gibt es zwischen den Einzelschicksalen im Roman und aktuellen Fällen von Diskriminierung oder Verfolgung, die durch nationalistisches Gedankengut motiviert sind?
- Wie kann die Geschichte der SchUM-Städte genutzt werden, um die historische Kontinuität von Antisemitismus und die Gefahr von rechten Ideologien in unserer Region zu verdeutlichen?
- Wie wurden im Roman antisemitische Stereotypen durch Propaganda verbreitet, und welche modernen Beispiele von rechter Propaganda kennen wir heute, die ähnliche Mechanismen nutzen?
- Welche individuellen Entscheidungen der Charaktere im Roman können als Beispiele dienen, um Schüler*innen zu ermutigen, aktuelle rechte und nationalistische Entscheidungen kritisch zu hinterfragen und sich aktiv dagegen zu positionieren?
- Wie können die Darstellungen von Religiosität im Mittelalter, während des Nationalsozialismus und im aktuellen Gaza-Konflikt verglichen werden, um Schüler für die wiederkehrenden Muster antisemitischer- rassistischer-diskreminierender Bildsprache zu sensibilisieren?
- Welche Lektionen über die Bedeutung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit können wir aus den im Roman beschriebenen Ereignissen ziehen, um der Verbreitung von nationalistischem Gedankengut entgegenzuwirken?
- Wie können spezifische Szenen aus dem Roman genutzt werden, um Empathie für die Opfer von Antisemitismus und rechter Gewalt zu entwickeln und Schüler zu ermutigen, sich aktiv gegen solche Ideologien zu stellen?
- Welche Parallelen gibt es zwischen der Verbreitung antisemitischer Ideen im Mittelalter und der Verbreitung von Fake News und rechtsextremen Ideologien in sozialen Medien heute, und wie können wir Schüler darin schulen, diese kritisch zu hinterfragen?
- Wie können Schüler durch Projektarbeit, die historische und aktuelle antisemitische und rechte Ideologien vergleicht, dazu angeregt werden, eigene Standpunkte zu entwickeln und sich aktiv gegen diese Ideologien zu engagieren?
HINWEIS: Dieser Präsenz-Fortbildung ist eine einführende E‑Session am 8. September vorangestellt (PL-Nr. 2514438009). Der Besuch beider Veranstaltungen ist jedoch nicht zwingend.
Das Projekt
Die Geschichte des europäischen Judentums ist geprägt von einer Reihe von Verfolgungen, die im Holocaust ihren grausamsten Höhepunkt erreicht hat. Die Gewalt gegen Juden wurde dabei seit frühester Zeit religiös begründet. Der wirkungsmächtige Vorwurf: „Die Juden“ hätten Jesus Christus, den Sohn Gottes, ermordet und würden Christenkinder für ihre geheimen Rituale foltern und töten. Auch die Nationalsozialisten machten Gebrauch von diesen über Jahrhunderte in der europäischen Gesellschaft verankerten Wahnbildern. Der Gottesmordvorwurf und die daraus abgeleitete Ritualmordlegende waren die ideologische Grundlage des traditionell christlichen Hasses gegen die Juden in der Geschichte und sind so der Wurzelgrund auch des Holocausts.
Die erste europaweite Verfolgung der jüdischen Minderheit fand im Jahre 1096 im Zuge des 1. Kreuzzugs statt. Insbesondere die SchUM-Städten Speyer, Worms und Mainz waren davon betroffen. Die Kreuzfahrer, die auf ihrem Weg nach Jerusalem in den Städten Europas wüteten, rechtfertigten Gewalt gegen die Juden mit dem Gottesmordvorwurf: Alle Juden, die sich der Taufe widersetzten, sollten ermordet werden – Tod oder Taufe war der Schlachtruf dieser fanatischen Christen.
Der heute stark wachsende Antisemitismus (vgl. Antisemitismusbericht der Bundesregierung und einzelner Länder wie Baden-Württemberg) macht eine Achtsamkeit für antijüdische Sprachbilder zwingend notwendig. Bei der Vorbeugung des Antisemitismus sind daher Schulen besonders gefordert. Neben dem Geschichtsunterricht steht dabei der Religionsunterricht in der Verantwortung, können doch gerade dort anti-jüdische Vorurteile und Klischees weitergegeben werden. So wurde in der Geschichte der Kirche das „Neue“ Testament als ein Zeugnis der Liebe und umsonst geschenkten Gnade Gottes im Gegensatz zum „Alten“ Testament als Zeugnis des Gesetzes und der fordernden Gerechtigkeit Gottes dargestellt. Weiterhin wurde in Anlehnung an Texte des „Neuen“ Testaments behauptet, dass „die Juden“ durch ihre angebliche Mitverantwortung am Tode Jesus Christi ihre Vorrangstellung vor Gott verloren hätten und ein „Neuer Bund“ der Christen den „Alten Bund“ der Juden abgelöst hätte. So wurde eine Minderwertigkeit des Judentums gegenüber dem Christentum impliziert. Ohne Sensibilität für diese Themen können diese antijüdischen Negativbilder auch heute noch im Religionsunterricht reproduziert werden
Im Sommer 2021 ist der Roman „Tod oder Taufe – Die Kreuzfahrer am Rhein“ von Jakob Matthiessen im Gmeiner-Verlag erschienen (siehe Infobox Der Roman „Tod oder Taufe – Die Kreuzfahrer am Rhein“). Darin werden die Verfolgungen in den SchUM-Städten aus der Sicht verschiedener Akteure dargestellt und die religiösen Konflikte zwischen den unterschiedlichen Parteien ausgeleuchtet. Weder Christen noch Juden werden dabei als homogene Gruppen dargestellt: So versuchten Bischöfe und andere Christen die Juden vor der Gewalt der Kreuzfahrer zu schützen. Und auch unter den Juden gab es unterschiedliche Meinungen, wie man mit der Bedrohung umgehen sollte: Manche Juden waren bereit, als Märtyrer zu sterben, für andere überstieg der Wert des Lebens die Schande einer Zwangstaufe. So bietet der Roman viele Möglichkeiten, jüdisch-christliche Themen für verschiedenen Alters- und Vorbildungsstufen darzustellen.
Das Ziel des Projektes „Antisemitismusvorbeugung vor dem Hintergrund der Geschichte der SchUM-Städte“ ist es, bereits ausgearbeitetes religionspädagogische Material unter universitärer Anleitung so weiterzuentwickeln, dass es auf einer breiten Basis im Religionsunterricht in den Klassen 9 – 13 in allen Schultypen zur Anwendung kommen kann. Dabei werden Schulen in sozialen Brennpunkten gezielt mit aufgenommen. Dieses Vorhaben wird durch zwei flankierende Maßnahmen unterstützt:
- Bei einer Lesereise in Schulen – vorwiegend in den SchUM-Städten – wird das Material erprobt und weiter verfeinert.
- In Kurzvideos werden Schlüsselszenen des Romans vor den Erinnerungsstätten der SchUM-Gemeinden in Form von Lesungen des Autors aufgenommen, für den pädagogischen Gebrauch aufbereitet und über diverse Kanäle verbreitet.
Damit wird am Ende des Projektes (31.12.2024) ein Gesamtpaket zur Behandlung des Themas „christlich motivierter Antisemitismus“ zur Verfügung stehen, dass einen effektiven Einsatz in Schulen erlaubt und auch die Bedeutung der SchUM-Städte angemessen darstellt.
Die SchUM-Städte
SchUM (hebräisch שו״מ) steht für den Verbund der jüdischen Gemeinden in Speyer (Schpira ─ שפירא), Worms (Warmaisa ─ ורמיז) und Mainz (Magenza ─ מגנטה). Die SchUM-Gemeinden waren im Mittelalter als Hochburg jüdischer Weisheit in Europa bekannt, von der Verfolgungen im Jahre 1096 waren sie besonders betroffen. Wegen dieser herausragenden Bedeutung wurden die Erinnerungsstätten der SchUM-Gemeinden im Jahre 2021 als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet.
Die Verfolgungen im Jahre 1096
Die Morde und Zwangstaufen im Jahr 1096 n. Chr. werden als die ersten organisierten Pogrome gegen Juden in Europa betrachtet, unzählige Verfolgungen im Mittelalter und darüber hinaus sollten folgen. Sie stellen eine Art Urkatastrophe des europäischen Judentums dar, welche die jüdische Erinnerung geprägt hat und heute noch im jüdischen Gottesdienst einen festen Platz einnimmt. Auch bei der Aufarbeitung des Holocausts spielen die Ereignisse eine wichtige Rolle.
Im Mai 1096 zogen verschiedene Kreuzfahrerhaufen durch das Rheinland. Sie folgten dem Aufruf von Papst Urbans II., die christlichen Wallfahrtsstätten im „Heiligen Land“ und vor allem Jerusalem von muslimischer Herrschaft „zu befreien“. Die relativ unorganisierten Gruppen setzten sich zusammen aus einigen Rittern und deren Gefolge, Priestern, Mönchen und vielen Bauern und Vertretern gesellschaftlicher Randgruppen. Man spricht in dem Zusammenhang auch vom Volkskreuzzug, der dem Ersten Kreuzzug unmittelbar vorausging.
Aufgestachelt durch den Antijudaismus in den Schriften im Neuen Testament, auf der Suche nach materieller Versorgung des Heeres und vielfach getrieben von blanker Gier fanden die Kreuzfahrer in den Juden Europas ein Feindbild. Bevor die „Ungläubigen“ im „Heiligen Land“ bekämpft würden, sollten die ─ nach volkstümlicher Meinung ─ Mörder des Gottessohns beseitigt werden, sei es durch eine erzwungene Konversion zum Christentum oder durch Mord. „Tod oder Taufe“ war der Schlachtruf der Kreuzritter.
Der Roman
Jakob Matthiessen. Tod oder Taufe – Die Kreuzfahrer am Rhein. Gmeiner Verlag August 2021, 2. Auflage September 2023.
Mainz, im Jahre 1096. Ein mächtiges Kreuzfahrerheer steht vor den Toren der Stadt und fordert Einlass. Aufgehetzt von dem fanatischen Priester Rotkutte, wollen die Krieger die jüdische Gemeinde auslöschen. Wer nicht seinen Glauben verrät – ein undenkbares Sakrileg für jeden Juden – soll sterben. Rabbi Chaim und Domdekan Raimund, in ihrem Glauben einander freundschaftlich zugetan, suchen in der belagerten Stadt nach einem Weg, Blutvergießen zu verhindern …
Im September 2023 erschien nun die zweite Auflage des Romans mit einem Grußwort der Oberbürgermeisterin von Speyer Stefanie Seiler.
In Jakob Matthiessens Roman werden die Grauen der für das jüdisch-christliche Verhältnis so prägenden Ereignisse, deren theologische Begründung auf Seiten der Kreuzfahrer und die Reaktionen in den unterschiedlichen christlichen und jüdischen Fraktionen anhand von Einzelschicksalen für den Leser erfahrbar. In dem Nachwort wird ausführlich auf die geschichtliche Bedeutung dieser Urkatastrophe des europäischen Judentums eingegangen. Durch die kürzlich erfolgte Anerkennung der SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz (schumstaedte.de) als UNESCO-Welterbe, auch bekannt als „Jerusalem am Rhein“, ist das Buch höchst aktuell.
Klicken Sie HIER für den Flyer.








